SPD-Kahrs bezeichnet AfD-Bundestagsabgeordnete als „Haufen rechtsradikaler Arschlöcher“

von Oliver Flesch

In Berlin liegen die Nerven immer noch blank. Vor allem bei der SPD. Eben blamierte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs bis auf die Knochen. Im Interview auf „Phoenix“ sagte er: „Jetzt haben wir hier einen Haufen rechtsradikaler Arschlöcher im Parlament sitzen und Frau Merkel trägt ein gerütteltes Maß an Mitschuld.“ 
„Rechtsradikale Arschlöcher“? Geht’s noch, Kahrs? Schon Wahnsinn, erst jammern die Altparteien darüber, dass die Debattenkultur im Bundestag dank der AfD in der Niveaulosigkeit versinken wird, und dann sowas.

Mit so einem Rotz ist Kahrs erstaunlicherweise an den Falschen geraten. „Phoenix“-Reporter Erhard Scherfer hat einst Journalismus gelernt und wendet das Gelernte sogar heute noch an!
„Nun haben Sie die AfD massiv beschimpft – alle miteinander. Da müssen wir differenzieren, damit das in dieser Form nicht für alle gilt. Ich muss da einfach mal ein bisschen Distanz zwischen ihrer Formulierung und ihrer Wertung und meiner Position bringen. Das ist wichtig an dieser Stelle“, findet der aufrichtige Reporter. 
„Aber ich hab das doch gesagt!“, fährt ihm Kahrs dazwischen. 
„Ja, aber ich muss auch zeigen, dass ich das gehört und verstanden habe und dass ich mich in dieser Allgemeinheit auch distanziere.“ Saubere Arbeit. So funktioniert unabhängiger Journalismus.
Und auch sonst kam nur Müll über Kahrs Lippen. Die SPD hätte mit ihren 20 Prozent keinen Regierungsauftrag, deshalb sollen es „die anderen machen“. Also die mit jeweils zehn Prozent, FDP und Grüne – jaaa, das ergibt aber mal so überhaupt keinen Sinn. Die CDU wünscht sich Kahrs übrigens als „Gleitmittel“ dazwischen. Gleitmittel? Wie kommt er denn ausgerechnet auf dieses ungewöhnliche Wort? Dazu später mehr.

Über die Frage, was die SPD in Zukunft anders machen sollte, schwurbelte Kahrs hinweg. Was den Eindruck hinterließ: Die SPD und ihr großer Vorsitzender haben alles richtig gemacht, nur der Wähler, der war einfach zu blöd, um das erkennen. Doch Reporter Scherfer ließ nicht locker: „Aber i r g e n d w a s müssen sie doch anders machen wollen (bei nur knapp 20 Prozent)“!
Nö. Laut Kahrs muss die SPD ihre Themen nur besser „rüberbringen“. Dann läuft das schon! 
Ach, und Kahrs weiß auch ganz genau, warum die AfD auf fast 13 Prozent kam – Mutti ist schuld! Das stimmt zwar, nur an seiner Begründung muss Kahrs noch ein bisschen arbeiten, er sagte nämlich: „Die AfD ist so stark geworden, weil sich Frau Merkel weigerte, Wahlkampf zu machen.“
Das Gegenteil ist der Fall. Hätte es einen wirklich offenen und ehrlichen Wahlkampf gegeben, die Menschen also gewusst hätten, was ihnen unter der CDU/CSU und SPD blühen wird (Millionen neue Kulturbereicher durch Familiennachzug zum Bespiel), so wäre die AfD wohl bei über 20 Prozent gelandet, die CDU auch und die SPD bei zehn. Das hat Merkel schon geschickt gemacht. Aber das begreift Kahrs natürlich nicht.

Johannes Kahrs – wer ist das überhaupt? 54, Bremer, Wahlkreis Hamburg-Mitte, Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss und einer der drei Sprecher des Seeheimer Kreises. Der gilt als der konservative Flügel der SPD. Was er auch einst war. Lang, lang, ist’s her. Kahrs ist Mitglied der Guttempler, die Enthaltsamkeit von allem was Spaß bringt propagieren. Alkohol zum Beispiel. Kahrs raucht nicht, hat keinen Fernseher und auch keinen Führerschein. Ach ja, schwul ist er noch. Was nicht von Belang wäre, würde er seine Homosexualität nicht ständig in seine politische Arbeit einfließen lassen. Eben im Interview schon wieder. „Keinen Dank für nichts!“ (er meinte wohl: „Vielen Dank für gar nichts!“), ätzte er in Richtung Angela Merkel. Nicht etwa, weil die ihre konservativen Positionen verraten und verkaufte (für einen „Seeheimer“ v i e l l e i c h t nicht ganz unwichtig), sondern weil sie die sogenannte „Ehe für alle“ erst neulich durchboxte, „Schwule und Lesben“, laut Kahrs, „jahrelang bewusst diskriminiert hat, das war unanständig.“

Hach ja, Kahrs und die gute alte schwule Opferrolle. Aber wehe eines von diesen „rechtsradikaler AfD-Arschlöchern“ erwähnt auch nur, dass es von Linksfaschisten attackiert wurde, dann ist Kahrs der Erste der sich darüber echauffiert.

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Janich & Flesch über die Hetze:

 

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