„Doch wer stellt den Anlaufhafen? Das ist aller Wahrscheinlichkeit nach die große ungelöste Frage, mit der die Übergangsregelung zu tun hat.

Was könnte die EU dem italienischen Innenminister Salvini anbieten, damit er von seinem kategorisches "Nein" zum Anlaufen italienischer Häfen von Schiffen mit Migranten an Bord abrückt.

Für ihn würde das politisch eine Konzession bedeuten, die der italienischen Öffentlichkeit schwer zu vermitteln ist. Seine guten Umfrageergebnisse werden eng mit seiner Haltung in der Frage verbunden.

Über Twitter übermittelte der italienische Innenminister ein Bild vom Treffen, das gefestigte Fronten bestätigt. Er beklagte einerseits, dass das Treffen Zeitpunkt für einen "historischen Wandel in Europa" hätte sein können. Dass sich aber - von ihm nicht genannte - Teilnehmer nicht von ihren Positionen lösen und italienische Interessen und Zusammenhalt "nicht zum Verkauf" stünden.

Zum anderen wies er darauf hin, dass die italienische Grenzsicherung von Ministern anderer Länder geschätzt werde.
Die angedeutete historische Lösung überschreibt Salvini mit einer "Mittelmeerachse", die solide sein soll und an der angeblich mehrere Länder arbeiten, während Deutschland und Frankreich daran festhalten würden, in Italien den Wunschkandidaten der "überaus raren" Länder für die Anlandung zu sehen.

Auch wenn der größeren Öffentlichkeit hierzulande nicht bekannt ist, wie denn die Vorstellung einer Mittelmeerachse konkret aussieht, so zeigt sich die grundsätzliche Kluft beim Thema "sicherer Hafen" unmissverständlich wie auch die Hilflosigkeit, solange Frankreich hier nicht, etwa mit dem Vorschlag Korsika, oder Malta ein Angebot machen, dass neue Manövrierräume für Kooperationen eröffnet und es der italienischen Regierung somit ermöglichen würde, seinerseits das kategorische Nein neu zu überdenken, ohne eine Verlust an Rückhalt in der Bevölkerung zu riskieren.“

https://www.heise.de/tp/features/EU-Innenminister-Verhaertete-Fronten-bei-den-Mittelmeer-Migranten-4474332.html